Mittwoch, Januar 18, 2006

::Das mediale Umfeld der Taxonomie::

Als Taxonomen sind wir Teil der Gesellschaft und müssen mit dieser, wollen wir weiter von dieser anerkannt und vor allem finanziert werden, erfolgreich kommunizieren. Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht, die ich hier zu Diskussion stellen möchte.

Das derzeitige gesellschaftliche Umfeld erscheint mir als besonders günstig, die Anliegen und Bedeutung der Taxonomen in die Öffentlichkeit und damit schließlich in die Politik zu tragen. Ich will dieses kurz erläutern.

Das Umfeld stellt sich mir wie folgt dar. Die CBD (Convetion on Biological Diversity), die Umweltkonvention, hat der Taxonomie erstmalig und auf UN Ebene, der politisch höchsten Ebene und dem damit verbundenen Ansehen, bestätigt, das die Taxonomie eine Schlüsselwissenschaft zur ihrer Umsetzung und zur Lösung der Umweltprobleme ist. Diese Legitimität kann keine andere Wissenschaft für sich beanspruchen! Diesen Impuls, der auf Konferenzen der CBD weiter verstärkt wird, gilt es auf nationaler Ebene effektiv umzusetzen. Ein Teil der Umsetzung leistete Deutschland bereits, in dem es als einer ersten und bestausgestatteten nationalen Kontaktstellen einrichtete.

Ich sehe auf nationaler Ebene darüber hinaus ein starkes gesellschaftliches Interesse an wissenschaftlichen Fragen. Die sei am Beispiel des Fernsehprogrammms dargestellt. Als Indikator sind hier insbesondere die Privatsender geeignet, die sich keinem besonderen Bildungsauftrag verpflichtet fühlen. Diese Sender spüren dem Zeitgeist nach und sind an einer Quotenmaximierung interessiert. Sendungen und Formate die sich hier erfolgreich etabliert haben entsprechen den Interessen der Zuschauer.

Trotz möglicher Kritik an der Wissenschaftlichkeit und der Art und Weise der Darstellung, die geübt werden kann, ist zu konstatieren, das sich wissensnahe (und wissenschaftsnahe) Inhalte großer Beliebtheit freuen. Eine komplette Auflistung wäre hier zu lang, es seien nur einige Formate genannt.

1) "Wer wird Millionär" Formate finden sich auf allen Sendern, hier geht es auch um die spannende Vermittlung von Wissen
2) "Clever, die Show die Wissen schafft" (SAT1)
3) Galileo (Pro 7), "Welt der Wunder"
4) "Gut zu Wissen, dem Alltag auf der Spur" (K1), "MythBuster - Die Wissensjäger" (RTL II)
5) nano (3SAT), hitec (3SAT), DELTA (3SAT), Terra X (ZDF), "Länder - Menschen - Abenteuer" (ÖffRecht)
6) Dokumentationen auf N24 und NTV, Discovery Chanel, "Abenteuer Leben" (K1)
7) Spiegel TV Themenabende (VOX), "BBC exclusive" Reihe (VOX)

Viele dieser Formate werden mehrmals pro Woche zwischen 18:00 und 20:00 Uhr gesendet, also zu prominenter Zeit; sie werden nicht "ins Kopfkissen gespielt". Dieses würde nicht geschehen, wenn sich diese Formate nur Randgruppeninteresse bedienen würden. In diesem Zusammenhang stehen natürlich auch die technisch anspruchsvollen und teuren Animationsfilme, teilweise in Spielfilmlänge und im Abendprogramm, in denen insbesondere Dinosaurier und andere Fossilien mit Fleisch und Leben ausgestattet werden (BBC zusammen mit anderen Sendern) und die sehr erfolgreich vermarktet werden. Mehrfache Wiederholungen und DVD Ausgaben unterstreichen den Publikumserfolg.

Neben diesen wissenschaftsnahen Sendungen sei die Aufmerksamkeit noch auf Kriminalfilme und -serien gelenkt, die sich derzeit allerbester Quoten erfreuen. Hier nur eine fragmentarische Liste: "Der Letzte Zeuge" (ZDF), "CSI" plus zwei Ablegern (VOX, RTL) und "Medical Detectives" (VOX). Natürlich geht es hier nicht um Wissensvermittlung. Die starke Betonung der wissenschaftlichen Arbeitsweise und der Erfolg beim Publikum, zeigen jedoch, ebenso wie die oben genannten Titel, eine große Empfänglichkeit beim Publikum für dieses Arbeiten. Daher ist beispielsweise der forensische Entomologe Dr. Benecke, Netzwerkmitglied von BioNetworX, sehr oft Gast in den genannten Formaten und in "Talk Shows" auf denen er seine Arbeitsweise darstellen kann. Man fragt sich schon, wann der eigentlich arbeitet ...

Das Publikum ist offensichtlich bereit, sich auf wissenschaftsnahen Themen einzulassen, und sich zu wundern, zu wundern über die Natur und über die Leistungen der Wissenschaft. Sich über etwas zu wundern ist der erste Schritt zur Wissenschaft. Gleichzeitig wird vermittelt, dass Wissenschaft spannend ist!

"Wissenschaft", insbesondere die Biologie, scheint mir in der Öffentlichkeit positiv belegt und ein Thema zu sein, das viele Zuschauer spannend finden. Dabei ist interessant, dass diese Fernsehformate selten die Biodiversitätskrise behandeln. Ein Bedrohungsszenario erscheint also nicht notwendig um Interesse zu wecken, vermutlich ist es eher kontraproduktiv.

Diesen Hintergrund gilt es, meines Erachtens für die Anliegen der Taxonomie zu nutzen! Die taxonomische Gemeinschaft muss in diesem Chor selbst die Stimme erheben und mit fachlich fundierten und spannenden Beiträgen hörbar werden. Sie darf dieses Feld nicht anderen überlassen.

Der Weg dazu ist die Verstärkung und Institutionalisierung der Pressearbeit für die Taxonomie, in dem Journalisten und die Presseverteiler mit taxonomischen Themen bedient werden. Dabei darf nicht auf die Probleme abgestellt werden, dass wir mehr Geld und Stellen brauchen (das braucht jeder), es muss vielmehr positiv formuliert die Wichtigkeit taxonomischer Arbeit für aktuelle Fragen und Probleme der Gesellschaft herausgestrichen werden (siehe die zusammengestellten Fallgeschichten und Vogelgrippe). Der Terminus "Taxonomie" muss positiv besetzt werden. Es muss gezeigt werden, dass Taxonomie spannend ist, nur dadurch können wir weitere Unterstützung gewinnen. Diese positive Außendarstellung muss auch in die taxonomische Gemeinschaft hineingetragen werden, um dort weitere Aktivitäten zu ermuntern und zu initiieren.

Soweit einige Gedanken zum Thema. Über Eure Rückmeldung und eine lebhafte Diskussion hier im GTI-Webblog würde ich mich sehr freuen!!

von Fabian Haas

1 Comments:

Blogger Fabian said...

PS: Unter http://www.mediendaten.de/relaunch/fernsehen/index.php
finden sich etliche Daten zu r nutzung des Fernsehens, Hörfunk und Printmedien. Unser Informationsbereich ist ganz gut vertreten.

Donnerstag, 19 Januar, 2006  

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